19.03.2018

Interview Rainer Röcker und Herr Deichmeier, Firma Merck KGaA in Darmstadt

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Die Firma Merck KGaA in Darmstadt im folgenden Merck, wurde vor 350 Jahren gegründet und ist bis heute mehrheitlich im Besitz der Nachkommen des Firmengründers. Es ist eines der führenden Wissenschafts- und Technologieunternehmen in den Bereichen Healthcare, Life Science und Performance Materials. Derzeit sind ca. 50.000 Mitarbeiter in 66 Ländern beschäftigt. Die Firma Merck setzt seit vielen Jahren Anlagen im Bereich End of line der Firma Pester ein. Im Jahre 2016 wurden 3 Linien für den Standort Darmstadt inkl. Integration T&T bestellt. Die Linien bestehen aus Banderolierer, Casepacker und Palettierer. Bei allen Anlagen wurde eine beigestellte T&T Lösung integriert. Die Projekte wurden nun erfolgreich abgeschlossen. Der zuständige Projektleiter, Hr. Deichmeier, war freundlicherweise zu einem Interview bereit.
Pharmamarkt – Quo vadis? Wie sieht der Pharmamarkt der Zukunft aus?
Die Darreichungsformen gehen in Richtung Liquida, speziell bei hochpreisigen Produkten. Bei Selbstmedikation wird der Solidabereich sicher bestehen bleiben und behält seine Existenzberechtigung. Weiterhin ist eine Tendenz in Richtung patientengenaue Darreichungsformen erkennbar. Das wird die Healthcare Industrie in den nächsten Jahre beschäftigen.

Wie sieht die Pharmaproduktion von morgen aus?
Die Pharmaproduktion geht von technischer Seite aus eindeutig in Richtung Industrie 4.0 bzw. Pharma 4.0. Heißt speziell die Digitalisierung spielt in der nahen Zukunft eine enorme Rolle. Sie wird in gewissem Maße die Produktion revolutionieren. Da müssen sich die Anlagenbauer darauf einstellen bzw. entsprechende technische Lösungen anbieten. Das Thema Datensicherheit und Datenintegrität gewinnt dabei eine immer größere Bedeutung. Gerade im Bereich der Arzneimittelfälschung bei hochpreisigen Produkten.

Welche Trends sehen Sie in der Pharmaverpackung?
Momentan geht der Trend Richtung Liquida und Pens speziell im Bereich der Onkologie und bei Anwendungen mit Insulin. Bei Blisterverpackungen ist das Thema PP Folie eigentlich vom Tisch. Generell geht es in Richtung Vollautomatisierung von der Abfüllung bis auf die Palette.

Was sind die Besonderheiten von Merck wo unterscheiden Sie sich vom Wettbewerb?
Wir sind das älteste Pharmaunternehmen der Welt, dies spricht für die Qualität und Innovation des Unternehmens. Merck forscht noch selbst, was in der heutigen Pharmawelt nicht mehr selbstverständlich ist. Dazu wurden auch entsprechende Innovationskampagnien ins Leben gerufen. Merck ist sowohl im Bereich der Krebsmedikation sehr gut aufgestellt als auch im Bereich der Chemie z.B. OLED für die Herstellung von Displays.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie morgen?
Den Patienten im Vordergrund zu sehen und entsprechend die Kosten dazu nicht aus den Augen zu verlieren. Dazu ist es notwendig den Mix zwischen traditioneller und moderner Herstellung zu schaffen. Natürlich zählt dazu auch die Digitalisierung in Richtung Industrie 4.0 (Pharma 4.0) mit all den Folgen für Betreiber und Lieferant um kostengünstiger und transparenter produzieren zu können.

Worauf legen Sie besonderen Wert bei Auswahl Ihrer Verpackungsmaschinen-lieferanten?
Wichtig ist zum einen die Zuverlässigkeit sowohl auf der Vertriebsschiene als auch später bei der kompletten Projektabwicklung. Da ist es wichtig einen Ansprechpartner seines Vertrauens zu haben sowohl bei der Angebotsphase als auch während der kompletten Projektphase. Die Erfahrung bei der Integration und Zusammenarbeit mit den am Markt befindlichen T&T Herstellern spielt dabei eine entscheidende Rolle. Da ist es sehr wichtig entsprechende Ressourcen im Unternehmen zu haben. Die Lösung von Pester mit einer eigenen Abteilung ist da natürlich ein wichtiger Schritt gewesen. Ein ganz entscheidender Punkt ist auch der After Sales Service bestehend aus Inbetriebnahme, Training, Wartung. Die Verfügbarkeit und Produktivität der Anlage über den gesamten Life Cycle hinweg hängt auch wesentlich vom Service ab.

Was schätzen Sie an der bisherigen Zusammenarbeit mit Pester?
Ich schätzte die Zusammenarbeit sehr, da bei allen Beteiligten eine teamorientierte und offene Zusammenarbeit besteht, bei der konstruktiv über anfallende Probleme, die es bei allen Projekten mal geben kann, gesprochen wird. Dabei wird immer eine konstruktive Lösung gefunden.

Was sind Ihre Erwartungen an die zukünftige Zusammenarbeit zwischen Kunde und Pester?
Dass die Firma Pester trotz des enormen Wachstums die Menschlichkeit, persönliche Beziehung und den Blick für das Detail nicht verliert. Weiterhin ist der Firma Merck wichtig, dass im Projekt nicht die Ansprechpartner wechseln. Somit entsteht Vertrauen und beide Seiten wissen wie die Erwartungshaltung aussieht. Weiterhin wünscht sich Hr. Deichmeier eine realistische Einschätzung von Einsatzzeiten speziell bei Umbauten. Das führt zu unnötigem Stress, wenn man hier zu knapp kalkuliert. Man unterschätzt speziell bei Änderungen die Changes und den Prozess bis zur erneuten Freigabe der Anlage.

Warum setzen Sie auf Equipment von Pester?
Pester hat im Augenblick den höchsten Level im Bereich der Technik, pharmazeutischen Anforderungen und der Projektabwicklung. Vor allem die Qualität der Anlagen und dass das komplette End of Line aus einer Hand kommt sind die ausschlaggebende Punkte. Dabei spielt die pharmagerechte Ausführung eine ganz entscheidende Rolle. Die kurzen Umrüstzeiten und die leicht zu reinigenden Anlagen runden die Sache ab. Das erhöht die Produktivität und Verfügbarkeit der Anlage. Weiterhin ist die Flexibilität bei der Integration von T&T Systemen ein ganz entscheidender Faktor.

Was zeichnet für Sie eine gute und langfristige Lieferantenbeziehung / -Partnerschaft aus?
Kurze Reaktionszeiten sowohl im Angebotswesen als auch bei Änderungen im Projekt oder später im Falle eines Service Anwendung. Wichtig ist das gegenseitige Vertrauen.

Sie haben bereits seit vielen Jahren Anlagen von Pester. Wie ist Ihre Erfahrung über den gesamten Life Cycle hinweg? Was waren die größten Herausforderungen während der Projektphase?
Die Herausforderung beginnt schon beim Lastenheft. Man darf hier nichts vergessen, das holt einen später wieder ein. Nach der Vergabe des Projekts ist es dann wichtig permanent über den Verlauf des Projekts informiert zu werden, sprich ein permanentes Projektmonitoring zu haben. Weiterhin spielt der FAT eine entscheidende Rolle. Hier muss alles umgesetzt sein und in einem kurzen Zeitraum dokumentiert geprüft werden ob die spezifizierten Anforderungen auch umgesetzt wurden. Daher ist es wichtig auch Zahlungsbedingungen daran zu knüpfen. Weiterhin spielt die Installation und Inbetriebnahme eine entscheidende Rolle. Hier zeigt sich ob die Integration der vorgeschalteten Anlagen und die Anbindung an übergeordnete Systeme funktioniert. Dabei ist auch die erfolgreiche Integration des T&T Systems sehr wichtig. Die anschließende Qualifizierung der Anlage ist ein weiterer wichtiger Schritt, bei der die angebotene Dienstleistung des Lieferanten zum Tragen kommt.

Wie sieht aus Sicht der Technik die optimale Endverpackungsmaschine der Zukunft aus?
Kunde wünscht sich ein HMI für alle Systeme. Darin enthalten sollten auch Trouble shooting Maßnahmen hinterlegt sein. Weiterhin verstärkte Schutztüren z.B. aus Glas.


Die Firma Pester bedankt sich bei Ihnen und Ihrem Team für das Vertrauen und die hervorragende Zusammenarbeit die von gegenseitigem Respekt und Vertrauen geprägt ist. Wir freuen uns auf weitere erfolgreiche Projekte in der Zukunft.

Rainer Röcker